Das spirituelle Leben und Denken des Ibn Arabi
Die erste deutschsprachige Biografie des großen andalusischen Sufi-Mystikers (1165–1240), dessen Werk ein unschätzbares Potenzial für den interkulturellen Dialog und die zwischenreligiöse Verständigung darstellt. Nach achthundert Jahren aktueller denn je! Weiterblättern...
Aus den Futuhat al-Makkiyah
»Du hast also scharfsichtig zu sein, damit du die Reichweite der Liebe und den Wert der Person, die dich liebt, erkennst und auch damit du eilst, dich mit ihr zu vereinen, indem du dich über Seine Liebe mit Eigenschaften Gottes tränkst. So legt Er es dir nahe. Ist Er es doch, Der dich ursprünglich mit dieser Liebe, der nie etwas gleichkommen wird, erschaffen hat. Deshalb ist der Liebesakt, wenn er auch im Grunde genommen mit Ihm jedes Mal neu vollzogen wird, lediglich die Folge jener Liebe, mit der Er dich schon seit Anbeginn liebt.«
Im spirituellen Schrifttum des Islams stellt die Abhandlung über die Liebe einen Höhepunkt dar; sie ist im Ganzen wie auch im Detail ein vollendetes Meisterwerk. Alles, was vor Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240) zu diesem, insbesondere für das esoterische Verständnis des Korans so zentralen Thema gesagt wurde, fasst der »größte Meister« hier zusammen, geht aber noch weit darüber hinaus. Kein spiritueller Lehrer hat seither derart wirklichkeitsgetreue, ursprüngliche, tiefgründige und vollständige Sichtweisen auf das Wesen und die Essenz der Liebe dargestellt.
In dem hier zum ersten Mal auf Deutsch vorliegenden Kapitel 178 seiner umfangreichen Mekkanischen Eröffnungen beleuchtet der »Lehrer der Sufis« alle Formen der Liebe, die natürliche oder physische, die spirituelle und die Göttliche. Die falsche, im Westen – heutzutage wie auch in der Vergangenheit – verbreitete Meinung, der Islam sei lediglich eine Religion der Strenge und formaler Vorschriften, in der Göttliche Transzendenz alles derart aufsauge, dass ein menschliches Wesen nicht einmal mehr an der Liebe teilhaben könne, wird hier mit großer Einblickskraft in die tiefsten Zusammenhänge und in poetischer Sprache richtiggestellt.
Meine Reise verlief nur in mir selbst
»Ich sah dich nicht auf meinem Weg. Gibt es da noch einen anderenPfad?« // »Ein jeder hat seinen Weg, den niemand sonst als nur er beschreitet.« // »Und wo befinden sich diese verschiedenen Wege?« //»Sie entstehen durch das Reisen selbst.«
Zwei Texte des andalusischen Mystikers Ibn Arabi (1165–1240), des»größten Meisters«, die – in Anspielung auf die berühmte »nächtlicheReise« oder Himmelfahrt des Propheten Mohammed – die Umstände und Erfahrungen des völligen Aufgehens in Gott beschreiben. Ibn ArabisBearbeitung dieses Materials widerspiegelt sowohl seinen besonderen Zugang zum Koran und den Hadithen als auch die ganze Spannweite seiner metaphysisch-theologischen Lehren und seines Interesses an praktischer Spiritualität.
Im engeren Sinn eine Erläuterung von khalwa, einer Sufi-Übung zur Erlangung der Gegenwart Gottes durch absolute Aufgabe der Welt, beschreibt die Reise zum Herrn der Macht den geistigen Aufstieg durch alle Stufen der Existenz bis hin zur Göttlichen Gegenwart. Ibn Arabi ruft den, der den mystischen Weg der Sufis gehen will, dazu auf, sein Herz zu reinigen und eins zu werden mit seiner inneren Essenz.
Mit großer Klarheit undder Überzeugungskraft autobiografischer Passagen schildert Ibn Arabi die Erfahrung seiner eigenen Himmelfahrt auch im Text Meine Reise verlief nur in mir selbst, einer hier erstmals auf Deutsch vorliegenden, kommentierten Übersetzung des Kapitels 367 aus seinen umfangreichen Futuhat al-Makkiyah.
Des größten Meisters mystische Philosophie der Einheit aller Existenz
DieserBand vereinigt drei grundlegende Texte, die einen Einstieg erlauben in die universelle Schau und das tiefe Verstehen des andalusischenMystikers Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240), dessen Titel wie »größter Meister«, »Pol des Wissens« oder »Doktor Maximus« von seiner außerordentlichen, noch heute verbreiteten Anerkennung in Ost und Westzeugen. Wie kein zweiter Sufi vor oder nach ihm, lehrte Ibn Arabi mit großer Klarheit der Vision die Absolute Einheit aller Existenz und die Wege ihrer Selbstoffenbarung. So erklärt seine mystische Philosophie der Einheit des Seins auch den berühmten Hadith des Propheten Mohammed, in welchem Gott sagt: »Ich war ein verborgener Schatz, und Ich sehnte Mich danach, erkannt zu werden; also erschuf Ich die Welt, auf dass Ich erkannt werde.«
Die vorliegende, sorgfältig editierte Sammlung beinhaltet das Traktat Der innerste Kern, das Lubbul Lubb, die von Ismail Hakki Bursevi (1653–1725), einem der bedeutendsten Schüler Ibn Arabis, übertragene und kommentierte, gut lesbare Zusammenfassung der komplexen Grundlehren des größten Scheichs. Weiter umfasst der Band die so genannten Neunundzwanzig Seiten, eine klassische Einführung in das Studium Ibn Arabis, sowie einen wichtigen Schlüsseltext zum Thema Selbsterkenntnis: Ibn Arabis Kommentar über dieAussage des Propheten »Wer sich selbst kennt, kennt seinen Herrn« aus seiner Abhandlung vom Sein, dem Risalat al-Wujudiyah.
Das Fusus al-Hikam nach der Übertragung von Titus Burckhardt
Die Fusus al-Hikam, das populärste Werk von Muhyiddin Ibn Arabi, handeln von der einen grenzenlosen Weisheit, die gleichzeitig einzigartig in sich selbst ist und vielgestaltig in ihrer Verkörperung durch die Linie der Propheten von Adam über Moses und Jesus bis hin zu Mohammed. Als solches ist dieses außergewöhnliche Werk ebenso eine Darlegung der innerstenBedeutung der Existenz des Menschen und seiner Fähigkeit zur Vervollkommnung wie auch eine esoterische Auslegung des Korans und aller drei abrahamitischen Religionen.
Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240) wurde in Andalusien geboren, kam auf seinen ausgedehnten Reisen schon früh in persönlichen Kontakt mit den größten Mystikern, Geistlichen und Philosophen seiner Zeit und schrieb selbst über 350 Bücher. Obwohl er sich als unverblümter Kritiker von religiösem und philosophischem Dogmatismus zahlreiche Feinde schuf, wurde und wird er bis heute als einer der bedeutendsten Sufis aller Zeiten und als Lehrer von unerreichtem Status verehrt. Titel wie »größter Meister«, »Pol des Wissens« oder »Doktor Maximus« zeugen von seiner Anerkennung in Ost und West. Ibn Arabi lehrte als erster Vertreter des Sufismus und mit großer Klarheit der Vision die Absolute Einheit aller Existenz und die Wege Ihrer Selbstoffenbarung – eine Botschaft, der gerade in Zeiten aufkeimender religiöser Intoleranz und fundamentalistischer Verblendung ein unschätzbares Potenzial für die interkulturelle Verständigung innewohnt.
»Auf diese Weise verlangte die Göttliche Ordnung nach der Klärung des Spiegels der Welt; und Adam wurde zur Klarheit dieses Spiegels und zum Geiste dieser Form selbst (...) und wurde ›Mensch‹ und ›Stellvertreter Gottes‹ genannt.«